4. Internationale Gottlob-Frege-Konferenz

Rückblick auf die wissenschaftliche Tagung anlässlich des 100. Todesjahres des großen Denkers

15. bis 20. September 2025 | Hansestadt Wismar

Gottlob Frege (* 8. November 1848 in Wismar; † 26. Juli 1925 in Bad Kleinen) zählt zu den bedeutendsten und einflussreichsten Denkern des 19. und 20. Jahrhunderts. Mit seiner revolutionären Neubegründung der modernen Logik legte der Mathematiker und Philosoph das theoretische Fundament für die moderne analytische Philosophie sowie für die Informatik und Digitaltechnik unserer Gegenwart.

Anlässlich seines 100. Todesjahres lud das Gottlob-Frege-Zentrum der Hochschule Wismar vom 15. bis 20. September 2025 zur 4. Internationalen Gottlob-Frege-Konferenz in Freges Geburtsstadt ein. Nach den früheren Konferenzen in Jena (1979), Schwerin (1984) und Wismar (2013) versammelten sich in diesem Gedenkjahr 35 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus 12 Ländern an der Ostseeküste, um das facettenreiche Erbe Freges zu beleuchten und dessen Nachwirkungen bis in die heutige Forschung zu diskutieren.

Anspruchsvolles wissenschaftliches Programm

Das wissenschaftliche Programm, geleitet von Prof. Dr. Benedikt Löwe (Universität Hamburg) gemeinsam mit Prof. Dr. Tabea Rohr (Jena), Prof. Dr. Patricia Blanchette (Notre Dame) und Prof. Dr. Jamie Tappenden (Michigan), spannte einen weiten Bogen über Freges gesamtes Schaffen:

  • Logik und Begründung der Mathematik: Bereits zum Auftakt im historischen Zeughaus nahm Peter Simons (Dublin) Freges späte geometrische Ideen in den Blick. Zahlreiche Beiträge widmeten sich der Tragfähigkeit und Weiterentwicklung Fregescher Axiome und Grundgesetze – unter anderem in Vorträgen von Deborah Kant (Brüssel), Godehard Link (München) und Tin Adlešić (Zagreb).
  • Sprachphilosophie und Erkenntnistheorie: Ein zentraler Schwerpunkt lag auf Freges wirkmächtiger Unterscheidung von Sinn und Bedeutung sowie seinen Analysen zu Urteil und Referenz. Hochkarätige Keynotes und Vorträge setzten hier maßgebliche Akzente: Dolf Rami (Bochum) sprach zu Existenzannahmen, Maria van der Schaar (Leiden) über Urteilsakte und Francesca Boccuni (Mailand) über Freges Referenzbeweis. Ergänzt wurden diese durch tiefgehende Beiträge von András Máté (Budapest) und Stefan Jelonnek (Kiel).
  • Historischer Kontext und Nachlass: Besondere Aufmerksamkeit erfuhren die turbulenten Wege des Fregeschen Nachlasses (Leonie Spielbrink, Münster), historische Rezeptionen wie jene durch Heinrich Scholz (Monja Reinhart, Münster) sowie Freges Diskussionskultur und das Verhältnis zu Zeitgenossen (Gabriela Besler, Katowice; Karl Martin, Greifswald; Edoardo Rivello, Turin).

Den Schlusspunkt des Vortragsprogramms setzte am Freitagvormittag Prof. Dr. Dieter Schott (Hochschule Wismar) mit einer Reflexion zu Begründungen, Beweisen und Definitionen in Mathematik und Logik, bevor die Konferenz zur Mittagszeit feierlich beschlossen wurde.

Lebendiges Rahmenprogramm auf den Spuren Freges

Traditionell zeichnen sich die Wismarer Frege-Konferenzen durch eine enge Verknüpfung von Fachwissenschaft und regionaler Erinnerungskultur aus. Auch 2025 bot das Begleitprogramm den internationalen Gästen vielfältige Gelegenheiten zum persönlichen Austausch:

  • Festlicher Empfang im Rathaus: Am Montagabend wurden die Tagungsgäste im historischen Rathaus der Hansestadt feierlich willkommen geheißen.
  • Stadtführung & Frege-Ausstellung im Schabbell: Am Dienstagnachmittag erkundeten die Teilnehmenden bei einem thematischen Rundgang die historische Altstadt Wismars inklusive der Frege-Ausstellung im Stadtgeschichtlichen Museum Schabbell, gefolgt vom gemeinsamen Konferenz-Dinner.
  • Exkursion nach Bad Kleinen: Am Mittwochnachmittag führte eine Bustour vom phanTECHNIKUM nach Bad Kleinen – Freges letztem Wohn- und Sterbeort –, wo die dortige Ausstellung und Gedenkstätten besucht wurden.
  • Biografische Lesung & Kammermusik: Am Donnerstag bot das Museum Schabbell den Rahmen für eine zweisprachige Lesung aus der Frege-Romanbiografie durch die Autoren Edith Framm, Joachim Framm und Dieter Schott. Den feierlichen Ausklang des Tages bildete ein klassisches Konzert des Trios Annerose Schuldes in Freges ehemaliger Schule, der Alten Stadtschule am Markt.

Fazit und Dank

Die 4. Internationale Gottlob-Frege-Konferenz bot ein würdiges Forum im Gedenkjahr 2025. In einer inspirierenden und offenen Arbeitsatmosphäre zeigte sich einmal mehr, wie lebendig Freges Gedanken in Philosophie, Logik und Grundlagenforschung bis heute geblieben sind.

Ein herzlicher Dank gilt dem Organisationskomitee um Prof. Dr. Dieter Schott und das Gottlob-Frege-Zentrum der Hochschule Wismar für die engagierte Vorbereitung und Durchführung.

Ebenso danken die Veranstalter den Förderern und Sponsoren, ohne deren großzügige Unterstützung diese Tagung nicht möglich gewesen wäre:

  • Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
  • Gesellschaft für Analytische Philosophie (GAP)
  • Deutsche Vereinigung für Mathematische Logik und für Grundlagenforschung der exakten Wissenschaften (DVMLG)
  • Deutsche Gesellschaft für Philosophie (DGPhil e. V.)

Ein Bericht von Jörn Weichert