(Wismar) Die erste rappende Prorektorin Mecklenburgs, Prof. Dr. rer. nat. Marianne Schmolke hatte mit ihrer speziellen Eröffnung die Bühne für den mittlerweile zwölften Wismarer Science Slam bereitet. Dort hatten drei Slammerinnen und drei Slammer aus allen drei Fakultäten der Hochschule Wismar in je zehn Minuten um die Gunst des zahlreich erschienen Publikums gebuhlt. Nach sehr kurzweiligen und humorvollen Wissenschaftsvorträgen stand am Abend des 5. Mai 2026 schließlich fest, dass Luca Lass M. Eng. und Thomas Kraus M. Eng. sich wegen Punktgleichheit den 1. Platz teilen. Platz 2 belegte Lena Märtens. Alle sechs durchweg qualitativ hochwertigen Vorträge wurden vom zahlreich erschienenen Publikum mit herzlichem Lachen sowie reichlich Beifall belohnt.
Pilz fressende Amöbe und heizende Ameisen
Sowohl Luca Lass als auch Thomas Kraus forschen am Standort Malchow auf der Insel Poel und haben eine Promotion als großes Ziel ihrer aktuellen Arbeit. Beide haben kleine und Kleinstlebewesen in den Fokus ihres Vortrages gestellt und zwar auf so locker humorvolle und auch für Laien verständliche Art, dass sie mit je 96 von 100 möglichen Punkten auf Platz 1 des diesjährigen Wismar Science Slams kamen.
Luca Lass hatte bereits im vergangenen Jahr auf der Bühne gestanden, die dunkle Seite der Fitness-Joghurt-Industrie präsentiert und so Spaß am Slammen gefunden. Der gelernte Lebensmitteltechnologe begann nach dem Abschluss seines Masterstudium im Forschungsprojekt „Dark & Strong“ zu arbeiten. In diesem Projekt geht es um Pilzfressende Amöben für den Einsatz als Biofungizid. Als Doktorand wird Luca Lass am Standort Malchow auf Poel von Professor Dr. rer. nat. Falk Hillmann betreut. Auch sein Betreuer hatte sich unters Publikum gemischt und konnte so verfolgen, wie Luca geschickt den Bogen von unter dem Mikroskop sichtbaren Lebewesen über Haarwuchs, seine Lieblingsfarbe Orange bis zur Kombination von Kartoffeln, Futterhefen und jenen Amöben aus dem Vortragstitel „Amöbe fressen Pilze“ spannte.
„Kann man mit Ameisen heizen?“ hat Thomas Kraus sich und das Science Slam-Publikum gefragt. Die Aufmerksamkeit war ihm sicher, obwohl natürlich auch chemische Formeln bei seiner Wissensvermittlung zum Einsatz kamen. Denn Thomas Kraus ist nach seinem Masterabschluss an der Hochschule Wismar weiterhin dort tätig. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Doktorand beschäftigt er sich am Standort Malchow mit industriell angewandter Forschung zur Speicherung und zum Transport von Wasserstoff mittels Formiatsalzen. Das „gute Chemie“ wichtig ist, konnte er als Slammer umfassend und witzig begründen. Denn um z. B. die Wärmeversorgung der Wismarer Altstadt mit 93.025,5 MWh pro Jahr sicherzustellen, würden 13.000.000.000 Ameisen, also rund 13.000 Ameisenkolonien oder zur Veranschaulichung umgerechnet 26 Ameisen so groß wie Elefanten benötigt werden. Das wäre aus seiner Sicht eine absurde Logistik, eine viel zu geringe Geschwindigkeit und nicht dem Tierwohl entsprechend. Der motivierte Forscher schaffte es mit glücklichen Ameisen auf Platz 1 des diesjährigen Wismar Science Slam.
Die Walheit über Populismus
Lena Märtens studiert zur Zeit Bauingenieurwesen an der Hochschule Wismar und ist tief in den während ihres Erststudium Politikwissenschaft erworben Wissensschatz eingetaucht, um beim Science Slam Publikum zu punkten. In ihrer Bachelorarbeit forschte sie zum Populismus am Beispiel der AfD. In ihrem Vortrag „Die Walheit über Populismus, die die da oben uns verschweigen“ zog sie Parallelen zur aktuellen Debatte über den Buckelwal, der jüngst vor Poel gestrandet war. Raffiniert präsentiertes Fachwissen untermalt mit schlichten, sehr ansprechenden Grafiken und einer ordentlichen Portion Humor waren Grund genug für das Science Slam Publikum die Wismarer Studentin auf Platz 2 zu wählen.
Katzen, Mehrwegverpackungen und balladenhaftes Recht
Was wäre der Wismarer Science Slam ohne Katzen? Wahrscheinlich ein anderer. Die im Internet stark präsenten Tiere spielten in Ruth Kasdorfs M. A. Vortrag sogar die Hauptrolle. Die Doktorandin erklärte auch aus Sicht der Katzen, wie Videospiele zu einer besseren Gesellschaft beitragen können. Zusammen mit Professorin Linke arbeitet sie an der Fakultät Gestaltung an Forschungsprojekten zu geschlechtsspezifischer Gewalt, sensiblen Medieninhalten und aktuell zu Frauengesundheit in den Medien.
Julian Reeh LL. M., Doktorand sowie wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften und nur anderthalb Stunden zuvor mit einem Lehrsonderpreis ausgezeichnet, begeisterte das Publikum mit der Ballade von der großen Schlacht am Rodelberg - Buch 1: Iudex non calculat..
Er war bereits im letzten Jahr beim Science Slam dabei und hatte so viel Spaß dabei, dass er sich erneut auf die Bühne stellen wollte. Damals hatte er passend zu seinem Promotionsthema zum Kartellrecht in der Ukraine vorgetragen. Diesmal hielt er eine Präsentation über die ökonomische Analyse des Rechts – auf eine märchenhaft schöne Art und Weise.
Für eine rundum gelungene Abendveranstaltung sorgte nicht zuletzt auch Svetlana Saidensal M. A., die im Januar 2025 ihren Master Betriebswirtschaft mit der Spezialisierung Marketing und Vertrieb abgeschlossen hatte und derzeit im European Project Center vor allem im Projekt D-EFFECT arbeitet. Ihr Science Slam-Vortrag widmete sich dem Thema „Mehrwegverpackungen: Einflussfaktoren auf die Rückgabe“. Dafür begab sie sich mit der fiktiven Figur Tom zum Beispiel auf die verschlungenen Pfade des Paketversands und möglicher Rückgabeverfahren. Ein Thema also, mit dem auch das Science Slam-Publikum im Alltag konfrontiert wird.
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