Hinsehen, wo man nichts sieht

Ein sehr aufgeräumter Platz mit farblich sortierten Stiften. Person mit dunklen kurzen Haaren von oben gesehen. und
Ordnung ist gut und hilft im Alltag, kann aber auch ein Symptom sein.

Bei mehr als der Hälfte der beeinträchtigten Studierenden ist die Erkrankung oder Behinderung für Dritte nicht wahrnehmbar. Wir wissen trotzdem, dass es sie gibt. Dies betrifft unter anderem Studierende mit Depressionen, ADHS, Autismus, Multipler Sklerose, Endometriose, Krebs, Epilepsie oder Long Covid. Nur bei 3 % ist sie bereits beim ersten Kontakt erkennbar. 

Ihre Barrieren sind vielfältig: laute Räume, flackerndes Licht, Prüfungen ohne Pausen oder eine Anwesenheitspflicht an schlechten Tagen. Besonders bedenkenswert: Fast sechs von zehn Betroffenen beantragen keinen Nachteilsausgleich, weil sie sich „nicht beeinträchtigt genug“ fühlen.

Auf Grundlage der Befragung “best3” des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) lassen sich die Daten auf die Hochschule Wismar hochrechnen: fast 16 % aller Studierenden leben mit einer gesundheitlichen Beeinträchtigung, die das Studium erschwert. Hochgerechnet auf die 7.315 Studierenden der Hochschule Wismar im letzten Wintersemester reden wir von 1.163 Betroffenen. Blickt man auf die Verteilung der gesundheitlichen Beeinträchtigungen unter den Betroffenen an der Hochschule Wismar, ergeben sich für überwiegend nicht sichtbare Beeinträchtigungen folgende Zahlen:

  • Psychische Erkrankungen (65,2 %): Mit hochgerechnet 758 Studierenden bilden sie die mit Abstand größte Gruppe.
  • Chronische Erkrankungen (13,2 %): Betreffen hochgerechnet 154 Studierende.
  • Hörbeeinträchtigungen (1,1 %): Betreffen hochgerechnet 13 Studierende.

Der Tag der nicht sichtbaren Behinderungen lädt dazu ein, im Hochschulalltag sensibel zu reagieren. 

Hilfreich ist hierbei das “Cor.System” – ein frei nutzbares Zeichen oder Safeword („Cor“). Es ist ein frei nutzbares Zeichen. Wer es zeigt oder sagt, bittet um Rücksicht, ohne eine Diagnose nennen zu müssen. Es gibt vier Wege: das Handzeichen, den Ausweis, das gesprochene Safeword „Cor“ und den schriftlichen Hinweis. Das Handzeichen bedeutet: „Mir ist gerade alles zu viel.“ Die richtige Antwort darauf ist: nicht weiter einreden, Reize reduzieren, Raum und Zeit geben. 
Erklärfilm und Kurzanleitungen: https://www.stille-stunde.com/uebrigens/das-cor-system/

 


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