(Wismar) Am Freitag, dem 9. Oktober 2026, hatte das noch junge, fakultätsübergreifende Institut für Immobilienmanagement (IFIM) erstmals zum Norddeutschen Tag des Immobilienmanagements auf den Campus der Hochschule Wismar eingeladen. Die neue Fachtagung, die zukünftig jährlich stattfinden soll, brachte Perspektiven aus Wissenschaft, Wohnungswirtschaft und Praxis zusammen. Dabei stand das Thema Revitalisierung im Mittelpunkt und damit eine zentrale Frage der Bauwende. In Vorträgen wurde dargelegt, wie sich Ressourcen schonen, Flächenverbrauch reduzieren und CO₂-Emissionen minimieren lassen, indem Bestehendes neu gedacht und weiterentwickelt wird. Die anschließende Publikumsdiskussion, die Vorstellung von Master-Thesen und praxisnahe Case Studies boten vielfältige Anregungen, Diskussionsstoff und Raum für Austausch. Die Bündelung der Fachkapazitäten aus den drei Fakultäten Gestaltung, Wirtschaftswissenschaften und Ingenieurwissenschaften im IFIM bietet eine hervorragende Grundlage für weitere zukunftsträchtige Schwerpunktthemen.
Weltweite Entwicklungen und Anforderungen im Immobilienmanagement
Prof. Dr.-Ing. Marcus Hackel ordnete die Revitalisierung in die weltweiten Entwicklungen und Anforderungen des Immobilienmanagements ein. Megatrends wie Digitalisierung, neue Mobilitätsformen, Gesundheit und Wohlbefinden der Nutzer, das Internet of Things, 3D-Drucktechnologien sowie demografische Veränderungen beeinflussen zunehmend Nutzungskonzepte und Standorte von Immobilien. Daraus ergeben sich neue Forschungsfelder und Anforderungen an die strategische Ausrichtung von Immobilienbeständen sowie an zukunftsfähige Corporate-Real-Estate-Strategien. Diese reichen von der Optimierung des Immobilienportfolios über die Unterstützung von Marketing und Vertrieb bis zur Förderung von Innovation, Mitarbeiterzufriedenheit und Produktivität. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Revitalisierung als Beitrag zu Wettbewerbsfähigkeit, Nachhaltigkeit und ESG an Bedeutung, insbesondere durch Green Branding und die adaptive Weiternutzung des Bestandes. Professor Hackels seit 2009 an der Fakultät Gestaltung der Hochschule Wismar bestehende Lehr- und Forschungstätigkeit für das Fachgebiet "Baudurchführung und Entwerfen" ist dabei sowohl international und interkulturell als auch auf das Marketing für nachhaltige Stadtentwicklung und Architektur ausgerichtet.
Revitalisierung im genossenschaftlichen Wohnungsbau Hamburgs
Marko Lohmann stellte als Vorsitzender des VNW-Landesverband Hamburg e.V. und Vorstand der Bergedorf-Bille eG Immobilien in der Freien und Hansestadt in den Mittelpunkt seines Vortrags. Er betonte: „Zukunftsorientierter Neubau mit Augenmaß ein wichtiger Bestandteil des Erfolgs der Bergedorf-Bille“, die kontinuierlich in Bestand und Neubau investiert. Dabei stehen nachhaltige, altersgerechte und sozial ausgewogene Wohnangebote sowie eine vielfältige Nutzerstruktur im Mittelpunkt. So befinden sich aktuell rund 400 neue Wohnungen in unterschiedlichen Planungs- und Realisierungsphasen. Ein Beispiel für die Verbindung von Bestandsentwicklung und Neubau ist die Quartiersentwicklung Bergedorf-West, eine Großwohnsiedlung aus den Jahren 1967 bis 1970. Sie ist seit 2019 offizielles Fördergebiet im hamburgischen Rahmenprogramm Integrierte Stadtteilentwicklung (RISE). Die Planungen reagieren auf veränderte Bedürfnisse mit altersgerechten und generationenübergreifenden Wohnangeboten, mehr Barrierearmut, einer Stärkung der sozialen Mischung und zusätzlichem bezahlbarem Wohnraum. Gleichzeitig sollen Verkehr und Freiräume neu geordnet, nachhaltige Mobilität gestärkt und Flächen sparsamer genutzt werden. Serielles und modulares Bauen soll dabei einen zügigen Baufortschritt und mehr Kostensicherheit ermöglichen, sodass die Nutzungsentgelte für die Mitglieder der Baugenossenschaft langfristig bezahlbar bleiben.
Revitalisierung am Beispiel WoBau Wismar
Katharina Franzke stellte am Praxisbeispiel Wismar-Wendorf die Revitalisierung baugleicher, dreigeschossiger Mehrfamilienhäuser aus den 1950er Jahren vor. Die Geschäftsführerin der Wohnungsbaugesellschaft mbH der Hansestadt Wismar betonte, dass dabei Barrierefreiheit, Inklusion und zeitgemäße Wohnstandards im Mittelpunkt gestanden haben. Ursprünglich diskutierte Abriss- und Neubaupläne wurden angepasst, um die bestehende Bausubstanz und damit die darin gebundene graue Energie zu erhalten. Sie ging auf neue Wohnmodelle und die Nutzung von Leerständen als Zwischenlösung für umziehende Mieter ein. In der anschließenden Diskussionsrunde wurden auch Gespräche mit sozialen Trägern thematisiert.
Graue Energie bezeichnet die Energiemenge, die für Herstellung, Transport, Lagerung, Verkauf und Entsorgung eines Gebäudes aufgewendet wird und damit in der bestehenden Bausubstanz gebunden ist. „Wenn wir unsere alten Häuser nicht abreißen, sondern modernisieren und aufpeppen, sparen wir die „graue Energie“ für neue Häuser – ein guter Schritt zu mehr Nachhaltigkeit!“, so Franzke.
IFIM – das interdisziplinäre Institut
Das Institut für Immobilienmanagement IFIM stärkt die Immobilienwirtschaftliche Kompetenz an der Hochschule Wismar und arbeitet dabei auch mit der hochschuleigenen WINGS GmbH zusammen. Ziel ist es, das Fachgebiet in Forschung, Lehre und regionaler Vernetzung sichtbar auszubauen sowie die Hochschule als starken Partner der Branche zu positionieren. Im Mittelpunkt der Institutstätigkeit stehen praxisnahe Kooperationen mit Unternehmen und Verbänden, anwendungsorientierte Forschungs- und Transferprojekte sowie eine enge Begleitung der Studierenden durch Mentoring und Unterstützung studentischer Projekte sowie Initiativen. Durch Formate wie den jährlich stattfindenden „Norddeutschen Tag des Immobilienmanagements“ trägt das Institut dazu bei, Wissen sichtbar zu machen und aktuelle Entwicklungen der Immobilienwirtschaft breit zugänglich zu machen.
Kontakt
Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte direkt an
das Institut für Immobilienmanagement
Prof. Dr.-Ing. Marcus Hackel
unter Telefon: 03841 753-71 97
oder per E-Mail: marcus.hackelhs-wismarde



