Zu den antisemitischen Positionen im Nachlass von Gottlob Frege und ihrer Einordnung
Das Gottlob-Frege-Zentrum und die Hochschule Wismar distanzieren sich nachdrücklich und unmissverständlich von den antisemitischen und nationalistischen Einträgen, die Gottlob Frege 1924 in seinem Tagebuch niedergeschrieben hat. Jegliche Form von Antisemitismus, Diskriminierung und antidemokratischem Gedankengut werden an der Hochschule Wismar entschieden zurückgewiesen und haben keinen Platz.
Gottlob Frege war ein Logiker, Mathematiker und Philosoph, der sich insbesondere dadurch verdient gemacht hat, eine formale, logische Sprache zu entwickeln, die später eine wesentliche Grundlage für die Informatik werden sollte. Aus einem 1994 veröffentlichten Teil seines Tagesbuchs, das später als „Politisches Tagebuch“ bekannt wurde, wissen wir, dass Frege in seinen späten Jahren antisemitische Ansichten vertrat.
Die Hochschule Wismar hat sich bereits 2008 im Rahmen einer Podiumsdiskussion mit der Frage auseinandergesetzt, ob Gottlob Frege weiterhin als Namensgeber für eine Einrichtung der Hochschule sowie für einen von der Hansestadt Wismar vergebenen Preis für herausragende Studierende fungieren sollte. Gemeinsam mit der Hansestadt Wismar wurde entschieden, den Namen für das Gottlob-Frege-Zentrum und den Gottlob-Frege-Preis aufgrund seines wissenschaftlichen Wirkens beizubehalten. Diese Entscheidung ist mit dem Anspruch verbunden, die Namensgebung zugleich zum Anlass einer fortlaufenden kritischen Auseinandersetzung mit Freges Person und seinem Erbe zu nehmen.
Das politische Tagebuch von Gottlob Frege, der Entscheidungsprozess und die damit verbundenen Fragestellungen sind in folgendem Heft der Wismarer Frege-Reihe dokumentiert, das in der Hochschulbibliothek verfügbar ist: Achim Trebeß (Hrsg.): Gottlob Freges politisches Tagebuch und die Hochschule Wismar. Die zu kurze Geschichte einer Diskussion, Wismarer Frege-Reihe, Heft 04/2010.